Am vergangenen Sonntag streiften wir, trotz der bedrohlichen Wetterlage, mit 20 Gästen durch die Geschichte Abstatts. Wir begannen am Kriegerdenkmal, das etwas versteckt auf dem Friedhof so viel zu erzählen hat, von den sinnlos verstorbenen Soldaten und seinem Stifter und Ehrenbürger der Gemeinde, der vor den Nazis fliehen musste .
Es ging vorbei am von 420 Jahren Wind und Wetter ramponierten Epitaph Albrechts von Löwenstein-Scharfeneck, der sich selbst Graf zu Wildeck nannte, hinüber zum Waltzschen Haus und der Kirche, die in Nord-Süd- Ausrichtung gebaut wurde aber ein Stück vom Vorgängerbau in korrekter Ost-West- Ausrichtung bewahrt. Wir wechselten hinüber zum alten Teil des Rathauses, der schon Amts-, Schul-und Försterhaus war und am Platz des ehemaligen Abstatter Schlosses steht. Der Schlosspark ist heute überbaut mit den neuen Teilen des Rathauses.
Am Backhaus, das heute nur noch selten seinem Zwecke dient und an der Mühle, wo man über den Verlauf des Mühlbachs rätseln kann, aber noch mehr an dem Gebäude der Fam. Wangler, das einst als Wäscherei und Badeanstalt diente, holte uns die Geschichte ein, konnten doch viele unserer Begleiter eigenes Wissen und Erfahrungen beisteuern.
Uns hat es gefallen, unsere Geschichten zu erzählen, und uns hat gefallen, dass unsere Begleiter Geschichten wussten, die wir noch nicht kannten. Wir bedanken uns für das Interesse!
Ach noch etwas:
Neben der überwiegenden Meinung, dass auf dem Epitaph Albrecht abgebildet ist, gibt es auch Meinungen, es könnte doch eher sein Neffe, Wolfgang II gewesen sein, der Abstatt noch 6 Jahre von 1590-1596 regierte (Wertheimer Jahrbuch von 1928).
Zwar sprechen die Insignien (Rüstung, Waffen, Amts- oder Johanniter Kette) für Albrecht, aber was sagen uns denn die Wappen an den Seiten des Epitaphs? Bei ihnen handelt es sich um die damals übliche „4-schildige Ahnenprobe“. Man zeigte die Wappen oder Schilder der vier Großeltern, um seine tadellose adelige Abstammung nachzuweisen, rechts die Großeltern von der väterlichen Seite, links die von mütterlicher Seite.
Auf dem Epitaph sind rechts die Wappen von Löwenstein und Monfort, links die von Königsegg und von den Truchsessen von Walburg dargestellt, der vier Großeltern von Albrecht. Wären es die Wappen von Wolfgang II, müssten rechts die Wappen von Löwenstein und Königsegg und links die der Herren von Hewen und von Hohenlohe-Neuenstein zu finden sein. Man kann also Wolfgang II getrost ausschließen und sicher sein, dass Albrecht (1536-1587) sein Abbild in Abstatt hinterlassen hat.
Übrigens:
Es gab auch 8-schildige Ahnenproben, wenn man die 8 Ur-Großeltern zum Beweis der makellosen Abstammung anführte. Das hat man im Falle Albrechts wohlweislich unterlassen. Er hätte sich dann zwar mit dem schönen Wappen des Kurfürsten und Pfalzgrafen bei Rhein schmücken können, aber eine Stelle wäre leer geblieben, die seiner Urgroßmutter Clara Tettin, einem Bürgermädchen. Damals hat man das versteckt, vertuscht, heute würde es uns Albrecht eher noch sympathischer machen.


