Bundesregierung verschließt Augen vor fragwürdigen Geschäften mit abgebrannten Brennelementen

Veröffentlicht am 28.10.2010 in Pressemitteilungen

Laufzeitverlängerung mehr als verantwortungslos - gemeinsame Pressemitteilung von Ute Vogt und Peter Friedrich

Brennstäbe aus deutschen Atomkraftwerken verschwinden zum Teil offenbar im Nirwana.
Denn zum Verbleib von in deutschen Atomkraftwerken benutzten Brennstäben nach deren Transport zur Wiederaufarbeitung hat die Bundesregierung eigenen Angaben zufolge nur sehr löchrige Informationen.
Das geht aus der nun vorliegenden Antwort auf eine Kleine Anfrage (Bundestagsdrucksache. 17/3258) der SPD im Bundestag hervor. Es liegen kaum Angaben darüber vor, was mit den strahlenden Resten genau passiert. Die Bundesregierung konnte nicht beantworten, wo die außerhalb Deutschlands befindlichen Brennstäbe lagern und konnte nur lückenhafte Angaben zur genauen Weiterverwendung machen.

Ute Vogt sieht ihre Befürchtungen bestätigt: "Ich finde es schockierend, dass die Bundesregierung hierzu nichts weiß und offensichtlich auch nichts wissen will", beurteilt die Stuttgarter Bundestagsabgeordnete die Stellungnahme. Auch Peter Friedrich, Generalsekretär der Südwest-SPD, sieht den geringen Kenntnisstand kritisch: "Frei nach dem Motto 'was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß' werden hier die Augen vor der Realität verschlossen.", so der Konstanzer Abgeordnete.
Die Bundesregierung geht davon aus, dass durch die von CDU und FDP getragene Laufzeitverlängerung, die voraussichtlich am Donnerstag vom Deutschen Bundestag beschlossen wird, ein zusätzlicher Bedarf von 4.400 Tonnen Uran/Brennstoff entsteht, wie aus der Antwort hervorgeht.

"Längere Laufzeiten führen zu noch mehr Atommüll", so Mitinitiatorin Ute Vogt, die für die SPD im Untersuchungsausschuss Gorleben sitzt und aus erster Hand weiß, welche Probleme der strahlende Sondermüll verursacht, wenn er für hundertausende von Jahren abgeschottet von der Umwelt eingelagert werden soll.
In einer von Ute Vogt und Peter Friedrich initiierten Kleinen Anfrage hatte die SPD-Bundestagsfraktion die Bundesregierung bezüglich der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente befragt (Bundestagsdrucksache 17/3528).

Bis zum Jahr 2005 wurden benutzte Brennelemente aus deutschen Reaktoren zur Wiederaufarbeitung ins britische Sellafield und ins französische La Hague geliefert. Nicht alle Uranstäbe wurden aber dort aufgearbeitet. Seit den 1990er Jahren kam es zu Exporten nach Russland, wo durch Vermischung der abgebrannten Brennelemente mit Uran aus russischen Militärbeständen - Experten sprechen von Blending - neue Brennstäbe für deutsche Kraftwerke entstehen.
Brisanz gewinnen diese Urangeschäfte mit Russland vor allem des-halb, weil quasi als Nebenprodukt Brennstäbe produziert werden, die in Reaktoren vom Typ Tschernobyl Verwendung finden können.

Studien von Greenpeace Schweiz zufolge ermöglicht diese Praxis es Russland überhaupt erst, die heftig international umstrittenen Reaktoren weiter zu betreiben. Ohne Reste, die bei der Aufarbeitung westeuropäischer Brennelemente anfallen, wäre Studien zufolge der Brennstoff für diesen Reaktortyp bereits ausgegangen.
Auch die Bundesrepublik drängt Russland seit Jahren, die als unsicher geltenden Reaktoren endgültig vom Netz zu nehmen.

 

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